Zwei Menschen, gleich groß, gleich schwer – und trotzdem kann ihr Stoffwechsel ganz unterschiedlich dastehen. Ein wichtiger Grund dafür ist nicht, wie viel Fett jemand hat, sondern wo es sitzt. Die Forschung unterscheidet vor allem zwei Speicherorte: das Fett unter der Haut und das Fett im Bauchraum.

Zwei Orte, Fett zu speichern

  • Subkutanes Fett liegt direkt unter der Haut – an Hüften, Po und Oberschenkeln, aber auch an der Bauchdecke. Es ist das Fett, das du mit den Fingern greifen kannst, und es macht den größten Teil des Körperfetts aus.
  • Viszerales Fett sitzt tiefer, in der Bauchhöhle rund um Leber, Magen und Darm. Greifen lässt es sich nicht. Viel viszerales Fett zeigt sich eher an einem festen, nach vorn gewölbten Bauch.

Dazu kommt Fett, das sich in Organen einlagert, etwa in der Leber oder in den Muskeln. Fachleute nennen es ektopisches Fett. Es hängt eng mit dem viszeralen Fett zusammen.

Übrigens: Viszerales und subkutanes Fett sind beide weißes Fett, also Speicherfett. Die Unterscheidung in weißes, braunes und beiges Fett ist eine andere Einteilung. Sie beschreibt, was das Gewebe tut, nicht, wo es liegt. Braunes Fett erzeugt Wärme und wird vor allem durch Kälte aktiviert – mehr dazu im Artikel Braunes Fett: Was Kälte im Körper auslöst.

Warum der Ort einen Unterschied macht

Fettgewebe ist kein toter Speicher. Es gibt Fettsäuren und Botenstoffe ins Blut ab, und viszerales Fett ist dabei besonders aktiv. Ein Teil seines Blutes fließt zudem direkt zur Leber.

Wie unterschiedlich die beiden Fettdepots mit Stoffwechselwerten zusammenhängen, zeigt die Framingham-Herz-Studie aus den USA. Bei rund 3.000 Teilnehmenden wurde das Bauchfett per Computertomografie vermessen (Fox und Kollegen, 2007). Beide hingen mit Blutdruck, Blutzucker und Blutfetten zusammen, viszerales Fett aber enger als subkutanes. Eine Folgeauswertung (Porter und Kollegen, 2009) fand sogar: Bei Menschen mit viel viszeralem Fett ging zusätzliches Fett unter der Haut nicht mit noch schlechteren Werten einher, bei den Blutfetten eher mit etwas besseren.

Fett an Hüften und Oberschenkeln wird in Studien ebenfalls mit eher günstigen Stoffwechselwerten in Verbindung gebracht (Manolopoulos und Kollegen, 2010). Eine internationale Expertengruppe kam 2019 zu dem Schluss, dass vor allem viszerales und ektopisches Fett eine wichtige Rolle bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes spielen (Neeland und Kollegen).

Wichtig für die Einordnung: Das sind überwiegend Zusammenhänge aus Beobachtungsstudien. Und auch viel subkutanes Fett ist nicht einfach harmlos – der Unterschied liegt im Vergleich der beiden Depots.

Normalgewichtig und trotzdem viel Bauchfett?

Ja, das kommt vor. Der Body-Mass-Index (BMI) setzt nur Gewicht und Größe ins Verhältnis und sagt nichts darüber, wo das Fett liegt. Bildgebende Studien zeigen, dass auch manche Menschen mit normalem BMI viel Fett im Bauchraum tragen (Thomas und Kollegen, 2012). Umgekehrt unterscheidet sich der Taillenumfang bei gleichem BMI erheblich von Mensch zu Mensch.

Auch Geschlecht und Alter spielen mit: Männer lagern Fett häufiger im Bauchraum ein, Frauen vor den Wechseljahren eher an Hüften und Oberschenkeln. Mit den Wechseljahren verschiebt sich das bei vielen Frauen Richtung Bauch – mehr dazu in Fasten und Frauen: Warum der Zyklus mitfastet.

So kannst du es grob einschätzen

Genau messen lässt sich viszerales Fett nur mit MRT oder CT. Für den Alltag empfehlen Fachgesellschaften einen einfachen Ersatzwert: den Taillenumfang. Eine internationale Arbeitsgruppe hat ihn 2020 sogar als „Vitalzeichen“ bezeichnet, das in der Praxis neben dem BMI erhoben werden sollte (Ross und Kollegen).

  • Richtig messen: im Stehen, mit leicht geöffneten Füßen, auf halber Höhe zwischen unterster Rippe und oberem Rand des Beckenknochens. Normal ausatmen, Bauch nicht einziehen, das Maßband liegt an, schneidet aber nicht ein.
  • Übliche Richtwerte: Bei Frauen gilt ein Taillenumfang ab 80 Zentimetern als erhöhtes, ab 88 Zentimetern als deutlich erhöhtes Risiko für Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bei Männern liegen die Werte bei 94 und 102 Zentimetern.
  • Taille und Körpergröße: Die britische Gesundheitsbehörde NICE empfiehlt als einfache Faustregel, dass die Taille weniger als die Hälfte der Körpergröße messen sollte.

Diese Werte sind Orientierung, keine Diagnose. Wer unsicher ist, bespricht seine Werte am besten in der hausärztlichen Praxis.

Was die Forschung zu Bewegung, Schlaf und Ernährung zeigt

  • Bewegung und Ernährung: Eine Auswertung von 117 Studien mit gut 4.800 Teilnehmenden (Verheggen und Kollegen, 2016) verglich Ausdauertraining mit kalorienreduzierter Ernährung. Mit Diät nahmen die Teilnehmenden mehr Gewicht ab. Beides verringerte das viszerale Fett. In Studien ohne Gewichtsverlust sank es mit Training aber um rund sechs Prozent, mit Diät kaum. Die Waage zeigt also nicht unbedingt, was im Bauchraum passiert.
  • Bauchmuskeltraining allein: In einer kleinen Studie (Vispute und Kollegen, 2011) trainierten 24 Erwachsene sechs Wochen lang fünfmal pro Woche ihre Bauchmuskeln. Am Bauchfett änderte sich nichts messbar. Gezielt an einer Stelle abnehmen lässt sich so nicht.
  • Schlaf: In einer Studie der Mayo Clinic (Covassin und Kollegen, 2022) schliefen zwölf gesunde, normalgewichtige Erwachsene zwei Wochen lang nur vier Stunden pro Nacht. Sie aßen täglich gut 300 Kilokalorien mehr, das Gewicht stieg kaum – das viszerale Fett aber um rund elf Prozent. Es war eine kleine Studie, doch sie zeigt, dass auch Schlaf mitspielen könnte.

Was sich daraus sagen lässt: Bewegung, Ernährung und Schlaf hängen in Studien mit dem viszeralen Fett zusammen, und der Taillenumfang sagt dazu oft mehr als das Gewicht. Wie stark sich das im Einzelfall auswirkt, ist sehr unterschiedlich.

Fazit

Fett ist nicht gleich Fett. Viszerales Fett im Bauchraum hängt in Studien enger mit Stoffwechselwerten zusammen als das Fett unter der Haut. Der BMI bildet das nicht ab, ein Maßband schon eher. Wer mehr über die Verbindung von Bauchfett und Entzündungen wissen möchte, findet sie im Artikel Entzündungen und Altern.

Quellen