Braunes Fett verbraucht Energie, um Wärme zu erzeugen, und Kälte schaltet es ein. Das klingt nach einem eingebauten Fettverbrenner, und genau so wird es oft beschrieben. Die Forschung zu braunem Fett ist tatsächlich spannend. Sie zeigt aber auch, wo die Erwartungen über das hinausgehen, was bisher belegt ist.

Was braunes Fett ist

Der größte Teil unseres Körperfetts ist weißes Fett. Es speichert Energie für schlechte Zeiten. Braunes Fett funktioniert anders: Seine Zellen sind voller Mitochondrien, den Kraftwerken der Zelle, die dem Gewebe seine bräunliche Farbe geben. Mit Hilfe eines besonderen Eiweißes namens UCP1 wandeln sie Energie aus Fett und Zucker direkt in Wärme um, statt sie zu speichern. Fachleute sprechen von Thermogenese, also Wärmebildung ohne Muskelzittern.

Neugeborene haben vergleichsweise viel braunes Fett, es hält sie warm. Lange ging man davon aus, dass es bei Erwachsenen weitgehend verschwindet.

Wo es bei Erwachsenen sitzt

2009 zeigten drei Studien gleichzeitig, dass auch Erwachsene aktives braunes Fett haben. In einer davon werteten Forschende aus Boston rund 3.600 PET-CT-Aufnahmen von knapp 2.000 Patientinnen und Patienten aus (Cypess und Kollegen, 2009). Braunes Fett fanden sie vor allem am Hals, oberhalb der Schlüsselbeine und im oberen Brustraum. Bei Frauen war es häufiger zu sehen als bei Männern, außerdem häufiger bei jüngeren und schlankeren Menschen und in der kalten Jahreszeit.

Sichtbar wird braunes Fett nur, wenn es gerade aktiv ist, und messen lässt es sich nur mit aufwendiger Bildgebung. Wie viel davon jemand tatsächlich hat, ist deshalb schwer zu sagen.

Weiß, braun, beige

Neben weißem und braunem Fett gibt es eine dritte Form: beiges Fett. Das sind Zellen innerhalb des weißen Fettgewebes, die sich unter anhaltender Kälte ähnlich wie braune Fettzellen verhalten. Bei Mäusen ist dieser Vorgang gut untersucht. Dass es beige Fettzellen auch beim Menschen gibt, gilt inzwischen als wahrscheinlich, vieles daran ist aber noch offen (Sidossis und Kajimura, 2015).

Diese Einteilung beschreibt, was Fettgewebe tut. Eine andere Frage ist, wo das Fett sitzt – darum geht es im Artikel Viszerales und subkutanes Fett.

Was Kälte bewirkt

  • Kälte über Wochen: In einer japanischen Studie (Yoneshiro und Kollegen, 2013) verbrachten zwölf junge Männer sechs Wochen lang täglich zwei Stunden bei 17 Grad. Danach war ihr braunes Fett aktiver, auch bei Teilnehmern, bei denen vorher kaum welches nachweisbar war. Ihre Fettmasse sank im Vergleich zur Kontrollgruppe um etwa 0,7 Kilogramm. Die Studie war klein.
  • Nicht alles ist braunes Fett: In einer niederländischen Studie (Hanssen und Kollegen, 2015) verbrachten acht Männer mit Typ-2-Diabetes zehn Tage lang mehrere Stunden täglich bei etwa 14 bis 15 Grad. Ihr Körper reagierte danach deutlich stärker auf Insulin. Den größten Anteil daran hatten aber die Muskeln, nicht das braune Fett.

Wichtig für die Einordnung: In diesen Studien ging es um milde Kälte über Stunden, Tag für Tag. Ob ein kurzes kaltes Bad oder eine kalte Dusche das braune Fett messbar verändert, ist damit nicht gezeigt.

Wie viel Energie verbraucht braunes Fett?

Hier liegt der größte Unterschied zwischen Schlagzeile und Studienlage. Eine Forschungsgruppe aus Detroit hat den Sauerstoffverbrauch von braunem Fett direkt gemessen (Muzik und Kollegen, 2013). Selbst bei milder Kälte kam sie nur auf wenige Kilokalorien am Tag. Für Menschen mit besonders viel braunem Fett schätzten die Forschenden höchstens 15 bis 25 Kilokalorien – etwa so viel wie ein Teelöffel Zucker.

In der Kälte verbraucht der ganze Körper zwar mehr Energie, daran sind aber auch die Muskeln beteiligt. Als Abnehm-Werkzeug taugt braunes Fett deshalb nicht – das deckt sich mit dem, was wir im Artikel Kälteexposition beschrieben haben.

Braunes Fett und Stoffwechsel: was große Studien zeigen

  • Die größte Auswertung stammt aus New York (Becher und Kollegen, 2021). Forschende sahen sich PET-Aufnahmen von über 52.000 Menschen an, die eigentlich zur Krebsdiagnostik gemacht worden waren. Bei knapp zehn Prozent war braunes Fett zu sehen. Diese Menschen hatten seltener Typ-2-Diabetes (4,6 gegenüber 9,5 Prozent) und seltener erhöhte Blutfette (18,9 gegenüber 22,2 Prozent).
  • Eine Studie aus Wien (Herz und Kollegen, 2021) verglich Menschen mit starkem Übergewicht mit und ohne aktives braunes Fett. Wer aktives braunes Fett hatte, hatte im Schnitt weniger viszerales Bauchfett und weniger Fett in der Leber.

Beide Studien zeigen Zusammenhänge, keine Ursache. Ob das braune Fett die günstigeren Werte bewirkt oder ob Menschen mit günstigen Werten einfach häufiger braunes Fett haben, ist offen. Auch Botenstoffe, die braunes Fett ins Blut abgibt, werden bisher vor allem an Tieren untersucht.

Kälte am Friedrichshof

Rund um den Friedrichshof liegen viele Seen. Im Herbst und Frühjahr ist das Wasser kalt genug für ein kurzes, belebendes Bad – danach wärmt die Sauna im Haus. Beim Fastenwandern geht es stattdessen zum Wassertreten an ein Kneippbecken in der Nähe. Was es beim Baden in kaltem Wasser zu beachten gilt, steht im Artikel Wim Hof Methode.

Fazit

Braunes Fett ist ein echtes, aktives Gewebe, das Wärme erzeugt und auf Kälte reagiert. Menschen, bei denen es sichtbar ist, haben im Schnitt günstigere Stoffwechselwerte. Ein Fettverbrenner, der die Waage bewegt, ist es nach heutigem Wissen nicht: Dafür verbraucht es zu wenig Energie. Wer Kälte mag, kann sie genießen – die Erwartungen an das braune Fett darf man dabei getrost niedrig halten.

Quellen